Zu Gast in Berlin – der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron

Rüdiger Kruse: „Durch Europa muss ein Ruck gehen“ erklärte der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron – auf deutsch –in seiner Rede in Berlin. Macron bezog sich bewusst auf Roman Herzog, der als damaliger Bundespräsident den Reformrückstau Deutschlands anprangerte, so wie es Macron nun in Frankreich tut. Macrons Ruck klingt charmant, ist vor allem überlegt und birgt das Versprechen der Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist eines der Lieblingsworte der Deutschen. Macron nutzt es, ohne es selbst als ein Fremdwort zu sehen. Sein Leitmotiv ist, dass die nationalen Interessen gewahrt werden können. Das ist in dieser Zeit nicht die übliche Wortwahl in Wahlkämpfen. Aber es ist definitiv der richtige Gedanke. Er blickt über die nationalen Fragen hinaus und erkennt klar die europäischen Krisen. Sicherheit, Migration, Wirtschaft und Vertrauen (in die EU) macht er als die vier großen politischen Themen aus. Wie Merkel und Schäuble sieht er die EU nicht als Selbstzweck, sondern als gemeinsame Plattform zur Bewahrung der europäischen Werte. Gemeinsam mit Frankreich sollte Deutschland eine starke EU mit klaren Zuständigkeiten und Befugnissen, die nicht Gegenspieler, sondern Garant der nationalen Integrität ihrer Mitglieder ist, anstreben. Hierfür müssen wir möglichst alle Mitglieder gewinnen, was bei dieser Zieldefinition durchaus machbar ist. Unverzichtbar ist dabei das Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland. Frankreich und Europa brauchen einen starken französischen Präsidenten, der sein Land und Europa voran bringen will. Emmanuel Macron wäre so ein Präsident.“