Thema Kultur & Nachhaltigkeit

Kultur und Nachhaltigkeit neu denken

Gehören diese beiden allseits bekannten und viel diskutierten Begriffe tatsächlich zu zwei verschiedenen Welten?

Als Kultur wird häufig nur das bezeichnet, was im allgemeinen Verständnis in den Begriff – Kunst – eingeordnet ist. Kultur im weiteren Sinn beinhaltet aber sehr viel mehr. Dazu gehören die Vorstellungen wie wir leben bzw. leben wollen und wie wir die gesellschaftliche Entwicklung gestalten.
Am Beginn der Entwicklung jeder menschlichen Kultur standen das Sammeln von Erfahrungen und die Weitergabe dieser Kenntnisse zur Sicherung des Lebens der Individuen und der Gemeinschaften. Mit der Erkenntnis unserer Vorfahren, einen Teil der Ernte für die nächste Aussaat aufzubewahren, war der Gedanke der Nachhaltigkeit geboren. Sehr lange bevor dieser Begriff vor ca. 300 Jahren dann in der Waldwirtschaft tatsächlich benannt wurde.
Die Weitergabe von Traditionen, Kenntnissen, Erfahrungen mit verschiedensten Formen der menschlichen Kommunikation (Tänze, Sprachen, Schriftzeichen, Malerei, Theater, Musik bis zu den digitalen Medien) war und ist ein wesentliches Moment unserer kulturellen Entwicklung. Daraus resultierend entstanden Produktionsformen bis zu den heute global wirkenden Unternehmen, verschiedenste Bildungsformen, es entstanden Städte mit architektonischen Höchstleistungen und alle Errungenschaften, die unsere heutige Gesellschaft prägen.

Der ursprünglich selbstverständliche Umgang mit nachhaltigen Formen des Umgangs mit der Natur wurde durch die zunehmende Industrialisierung und Globalisierung immer mehr vernachlässigt.
Heute wissen wir, die strikte Trennung von Kultur und Natur, die Herrschaft des Menschen mit Hilfe seiner technischen Möglichkeiten über die Natur, stehen im krassen Widerspruch zu nachhaltiger Entwicklung und zur Sicherung der kulturellen und biologischen Vielfalt. Kultur ist etwas vom Menschen Geschaffenes, das Gegenstück der Natur. ABER der Mensch ist Teil der Natur. Also ist die Kultur etwas aus der Natur Entstandenes.

Die drei Komponenten der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und Soziales – sind heute nicht mehr ausreichend, um den Stellenwert der Nachhaltigkeit zu beschreiben. Kultur als Ausgangspunkt jeder ökologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung und notwendigen Veränderung muss daher als vierte Komponente einbezogen werden.

Kultur und Nachhaltigkeit können nur in ihrer Wechselwirkung verstanden werden. Das Ziel soll eine „Kultur der nachhaltigen Entwicklung“ sein, und genau dabei ist die Unterstützung durch die Künstler aller Genres für die öffentlichkeitswirksame Wahrnehmung dieses Leitgedankens notwendig. Aufgabe der Politik ist es, die dazu notwendigen Bedingungen zu schaffen.

 

Veröffentlichungen zum Thema:

 “Vierpunkteplan für die Menschheit” – Rüdiger Kruse, FAZ vom 23.10.2014

“Die Kultur hält Europa zusammen” – Rüdiger Kruse, Tagesspiegel vom 26.09.2013