Rüdiger Kruse, MdB äußert sich einmal pro Woche zu aktuellen Ereignissen, Themen und Debatten. Der Kommentar erscheint regelmäßig jede Woche am Freitag auf diesen Seiten.
18.05.2012 Das Skript zum Regieren kommt nicht von Enid Blyton und heißt folglich auch nicht ” Fünf Freunde regieren das Land”. Die Regierungsmannschaft dient unserem Land, sie stets gut aufzustellen, ist Aufgabe der Bundeskanzlerin. Genau das hat sie am 16.Mai mit der Neubesetzung des Umweltministeriums getan.
Beruhigend: Das Skript zum Regieren kommt auch nicht von Franz Kafka.
11.05.2012 Das Bundesland Berlin meinte in den letzten Tagen, den Neubau der Hochschule für Schauspiel absagen zu können. In der Tat liegt diese Entscheidung im Bereich des Landes. Aber Berlin ist eben auch Hauptstadt. Und durch die Millionen des Bundes genießt Berlin eine adäquate Hauptstadtkultur. Dieses Niveau muss Berlin auch bei seinen eigenen Maßnahmen treffen. Man kann nicht Hauptstadt sein und sich wie Provinz verhalten. Nun ist, nach Protesten, die SPD zurückgerudert. Zum Glück.
04.05.2012 Frankreich schaut zurzeit viel nach Deutschland, aber es lohnt sich auch für uns, nach Frankreich zu schauen. Und zwar wegen der Dinge, die Hollande sagt, und wegen des Applauses, den er in Deutschland bei der SPD bekommt. Wieder mal will einer mit alten Rezepten die Zukunft gewinnen. Und was uns allen leicht fällt, zu bemerken, dass Hollandes Pläne falsch sind, das sollten wir mit kritischem Blick auch in Deutschland erkennen, wenn Gabriel oder Kraft daher kommen und von Wachstum reden, und Verschuldung meinen.
27.04.2012 Vor 60 Jahren wurde zum ersten Mal in Deutschland auf Initiative der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald der Tag des Baumes gefeiert, Theodor Heuss pflanzte einen Baum im Bonner Hofgarten. Seither werden jedes Jahr Bäume um den 25. April gepflanzt, einzelne von Prominenten (dieses Jahr Staatsminister Pofalla) und Hunderttausende von weniger Prominenten. Irgendwie ist es so urdeutsch, Bäume zu pflanzen. Eine der netteren deutschen Marotten. Bäume pflanzen, in deren Schatten die Enkel sitzen können. Womit wir bei der Nachhaltigkeit wären, oder wie Norbert Röttgen gerne sagt: “Die Welt aus den Augen der Kinder sehen.” Für künftige Generationen vorsorgen. Mit Bäumen, mit Zukunftsinvestitionen, mit solider Haushaltspolitik. So gesehen, müssten wir jeden Tag einen Baum pflanzen.
20.04.2012 Wir sollten uns nicht darüber aufregen, dass es zurzeit in Deutschland eine Koranverteilaktion gibt. Zum einen führt das Werben für diese Religion vielleicht ja dazu, dass der Bürger sich erinnert, dass er ein eigenes Buch der Bücher zuhause hat, mit dem er sich auch einmal wieder beschäftigen könnte.
Und andererseits könnten wir dies doch zum Anlass nehmen, dass wir andere Länder dazu auffordern, das Informieren und Werben für die christliche Religion (und jede andere) zu zulassen und nicht mehr mit drakonischen Strafen zu verfolgen.
13.04.2012 Früher hatten wir Hamburger zum Thema Piraten unsere Koggen und den kleinen Grasbrook. Später kam dann der internationale Seegerichtshof nach Hamburg. Nun kommt unter Piratenflagge eine neue Partei dahergesegelt, von der wir noch nicht wissen, ob sie dauerhaft die Parlamente entern wird, oder sich doch zeitig selbst versenkt.
Technik und Attitüde mögen bei den Piraten anders sein, als bei den Etablierten. Da wo die Piraten Inhalte haben, müssen sie sich mit unseren Standpunkten auseinandersetzen. Für uns gelten die Grundwerte unserer Politik in allen Welten gleichermaßen, in der realen wie in der virtuellen. Das gilt für Freiheit wie für Eigentum, das gilt für Solidarität wie für Gerechtigkeit.
06.04.2012 Kurz vor dem Passah-Fest, wo die Juden in aller Welt der geglückten Flucht aus, aber auch dem Leid in, ägyptischer Sklaverei gedenken, ließ Günther Grass sein Traktat mit surrealistischer Note (‘das ist kein Antisemitismus’) los.
Wie darauf reagieren?
Die Essenz des Passah-Festes ist:
“Sie wollten uns vernichten. Wir haben gekämpft und gewonnen. Lasst uns essen und trinken und Gott loben!”
Und unter Hanseaten gibt es dann noch diese Reaktion: “Noch nicht mal ignorieren.”
30.03.2012 Karl May ist tot. Seit hundert Jahren, auf den Tag genau. Er hat unser deutsches Bild von der Welt geprägt. Unser Bild von den Indianern, von Amerika. Und von Afghanistan. Das Amerika heute nicht so ist, wie bei Karl May, liegt nicht an Karl May. Und auch nicht an den Indianern. Dass das Bild von Afghanistan nicht stimmte, wissen wir erst, seitdem wir unsere Soldaten hingeschickt haben. Und wenn wir ehrlich sind, hätten wir gern wieder unser altes, wenn auch falsches Bild zurück. Langsam verstehe ich, warum Konrad Adenauer so gern Karl May gelesen hat.
23.03.2012 Am 22.März war Weltwassertag.
Dieser hat keine übermäßige Resonanz gefunden, was nicht wundert, im Bereich solcher Themen dominiert derzeit die Energiewende. In Deutschland ist Wasser meist nur ein Thema, wenn es zu viel ist. Mangel und fehlende Hygiene sind bei uns kein Thema. Trockenheiten sind selten und nur von kurzer Dauer. In weiten Teilen der Welt ist dies völlig anders. Noch ein anderes Thema ist nicht richtig auf der Agenda: Fläche.
Hier ist auch Deutschland sehr direkt betroffen. Dass Fläche nicht vermehrbar ist, hat sich herumgesprochen. Dass wir dringenden Handlungsbedarf haben, noch nicht überall.
Alle drei Themen, Wasser-Fläche-Energie, sind die Rahmenbedingungen für die (Welt-) Ernährung. Grund genug, unsere Agenda zu ergänzen.





