Hamburger Neujahrsgedanken

Liebe Hamburgerinnen und Hamburger,

das Jahr 2014 ist vorbei. Wir alle haben viele unserer Vorhaben realisiert, einige Aufgaben begleiten uns in das Jahr 2015. Unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse in Paris ist mir besonders bewusst geworden, wie selbstverständlich für uns Europäer der Frieden und die Freiheit, ja unsere Demokratie, geworden sind. In vielen Teilen der Welt gibt es seit Jahren kriegerische Auseinandersetzungen innerhalb des eigenen Landes, oder mit Nachbarstaaten. Millionen Menschen fliehen aus ihrer Heimat vor Krieg und Terror, fast immer unter Lebensgefahr. Sie sind sicher, dass sie in Europa für sich und ihre Familien eine Zukunft finden. Auch nach Deutschland kommen Flüchtlinge, auch zu uns nach Hamburg. Europa, Deutschland hat die Möglichkeiten und muss es schaffen, diesen Menschen eine neue Heimat zu sein, oder auch nur einen vorübergehenden Schutz zu gewähren. Viele Menschen wollen gar nicht für immer hier bleiben, sie hoffen auf Frieden in ihren Heimatländern. Für Städte, Gemeinden und für uns Bürger ist es eine neue Herausforderung, die von uns allen gemeinsam anzunehmen ist. Wir sollten daran denken, dass in den letzten beiden Jahrhunderten Millionen Deutsche in anderen Ländern Zuflucht fanden, da sie in ihrer Heimat keine Perspektive hatten, politisch unterdrückt oder mit dem sicheren Tod bedroht waren. Überall in den Straßen erinnern die STOLPERSTEINE vor den Häusern an jene Mitbürger, die in der Nazizeit Opfer des staatlichen Terrors wurden. Und die politische Unterdrückung und Unfreiheit endete 1945 nur für die eine Hälfte Deutschlands. Freiheit in ganz Deutschland gibt es erst seit 1989. Das ist noch nicht so lange her. Wir haben in den letzten Jahren das Asyl- und Einwanderungsrecht erneuert und auf die aktuelle Situation angepasst. Zuletzt durch die Neuregelung, was die sicheren Herkunftsländer angeht. Damit Flüchtlinge und Einwanderer sich bei uns schnell zurecht finden und sie auch die Regeln unserer Gesellschaft kennenlernen, ist es wichtig, dass wir für ihre Fra- gen offen sind und hilfsbereit auf sie zugehen. Dazu kann jeder Bürger unserer Stadt seinen Beitrag leisten, ein freundliches Wort dem neuen Nachbarn, Hilfe bei einem Behördengang oder bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und einer Schule für die Kinder. So zeigen wir am besten, was Freiheit, Demokratie und unsere Grundrechte für uns bedeuten. Sie sind das höchste Gut, das wir haben.

Ich wünsche Ihnen, liebe Hamburgerinnen und Hamburger, unabhängig davon wie lange Sie schon in unserer Stadt leben, ein friedliches Jahr 2015.

 

Rüdiger Kruse MdB