Ein Fonds muss her – Gastbeitrag in DIE ZEIT

Kunst ist am Ende immer auch Eigentum. Jedes Bild gehört jemandem, dem Künstler, einem Sammler oder dem Staat. Und mit Eigentum kann man weitestgehend freihändig umgehen, es also auch verkaufen. Auch in ein anderes Land. Was aber, wenn dieses Werk von nationaler Bedeutung ist? Die Bedingungen dafür neu zu gestalten ist Anliegen einer Gesetzesinitiative der Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Am Ende wird für einige Kunstwerke der Verkauf ins Ausland nicht mehr möglich sein. Dass diese Begrenzung den erzielbaren Preis eines Werkes senken wird, ist logisch. Die Ankündigung von Einschränkungen gegenüber Bürgern, hier Künstlern, Sammlern und Galeristen, werden immer kritisch gesehen, in diesem Fall hat nun eine sehr harte Auseinandersetzung begonnen, die noch nicht zu Ende ist.

Eines macht die Diskussion um den Schutz von Kulturgütern eindrucksvoll deutlich: Den deutschen Museen fehlt es am nötigen Geld für Ankäufe. Dass es fehlt, kann man wohl kaum den Verkäufern vorwerfen. Dass es fehlt, nährt aber gerade auch den Verdacht, der Staat wolle nun per Gesetz billig an die Kunst kommen, indem er den Verkäufern den Zugang zum internationalen Markt verwehrt, wenn es um national bedeutende Kunst geht. Abhilfe würde hier ein Fonds schaffen, ausreichend ausgestattet für den schnellen Ankauf, wenn erforderlich. Anzustreben ist ein Fonds, der mindestens über 120 Millionen Euro verfügt, eingezahlt oder verbindlich zugesichert. Nur so ließe sich schnell handeln.

Der Bundestag sollte diese Mittel bereits in den Haushaltsberatungen 2016 bereitstellen. Werden für ein Landes- oder Stadtmuseum Ankäufe getätigt, so beteiligen sich das Museum, die Kommune, das Land, die Kulturstiftung der Länder oder weitere Private. Wir haben in Deutschland gute Erfahrungen mit Kooperationen zwischen Bund, Land und Privatleuten. Mit diesem Modell kann man hebeln, also mehr aus dem Geld machen, indem Dritte einen Teil beisteuern. Hierbei sollte die Möglichkeit der Beteiligung vieler, das sogenannte Crowdfunding, in Betracht gezogen werden. Der Louvre in Paris hat es bereits erfolgreich zum Ankauf bedeutender Kunst genutzt. Und gerade bei national bedeutender Kunst dürfte wohl ein breites Interesse der Bürger vorausgesetzt werden können, beste Voraussetzung für Schwarmfinanzierung.

Und wenn im Einzelfall ein Werk 100 Millionen Euro kostet? Dann ist eben zu überlegen, ob es wirklich von essenzieller nationaler Bedeutung ist oder nur ein nice to have. Ist es von so hoher nationaler Bedeutung, was vermutlich nur alle 20 Jahre vorkommen wird, dann sind einmal in 20 Jahren auch 100 Millionen vertretbar, bei einem jährlichen Haushalt des Bundes von rund 300 Milliarden ist auch das möglich.

Zudem muss jene Kunst, die für ein Land bedeutsam ist, nicht unbedingt einen Hype auf dem Kunstmarkt auslösen. Umgekehrt bedeuten hohe Preise nicht automatisch, dass ein Werk von großer nationaler Bedeutung für das Land ist, aus dem heraus das Werk verkauft werden soll. Der neue Fonds soll immer dann genutzt werden, wenn ein Preis für ein national bedeutendes Werk den normalen Ankaufsetat der staatlichen Einrichtungen überfordert. Der Fonds wäre das richtige Signal in die irritierte Kunstwelt: Ja, wir wollen wichtige Werke im Land behalten, und wir werden dafür bezahlen, so wie jeder andere Käufer auch. Im November berät das Parlament den Haushalt 2016. Es wäre nicht das erste Mal, dass das Parlament den Regierungsentwurf kulturpolitisch wesentlich verändert und Weichenstellungen vornimmt. Diese Unterstützung würde Kulturstaatsministerin Monika Grütters helfen, das nationale Kulturerbe zu sichern. Und dies ist ein hehres Ziel.

 

Rüdiger Kruse (CDU) ist Berichterstatter für Kultur, Medien und das Bundeskanzleramt im Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages

 

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 33 vom 13.08.2015.

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